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Iliosacralgelenk (ISG)-Schmerzen: Ursachen, Symptome & Therpieansätze - Physiotherapie Stuttgart

Darstellung Iliosacralgelenk am Skelett.


Ein stechender Schmerz im Gesäß, ein Ziehen beim Aufstehen oder das Gefühl, dass sich im unteren Rücken „etwas verhakt“ hat: Beschwerden rund um das Iliosakralgelenk (ISG) können den Alltag spürbar einschränken. Ob eine Bewegungseinschränkung, eine erhöhte Belastung, muskuläre Faktoren oder eine Instabilität dahinterstecken, lässt sich meist erst durch eine individuelle Untersuchung beurteilen. Eine gezielte Physiotherapie Stuttgart kann dabei helfen, die Beschwerden einzuordnen und den passenden Therapieansatz zu finden.


ISG: Anatomie & Funktion


Das Iliosakralgelenk, auch Kreuz-Darmbein-Gelenk genannt, verbindet auf beiden Seiten das Kreuzbein (Os sacrum) mit dem Darmbein (Os ilium) und stellt somit die Verbindung zwischen Wirbelsäule und Becken her. Im Gegensatz zu den großen Gelenken wie z.B. der Hüfte oder der Schulter verfügt das ISG nur über einen sehr kleinen Bewegungsumfang (ca. 2-3°). Trotzdem erfüllt es eine wichtige Funktion: Es trägt dazu bei, Kräfte zwischen Oberkörper und Beinen zu übertragen und Belastungen innerhalb des Bewegungsapparats zu verteilen.


Zeigefinger, der auf Iliosacralgelenk zeigt.

Für die Stabilität des ISG sorgen dabei nicht nur die Gelenkflächen selbst, sondern v.a. ein komplexes Zusammenspiel aus Bändern, Gelenkkapseln, Muskulatur und den umgebenden Strukturen. Besonders die Muskulatur von Bauch, Rücken, Becken und Hüfte trägt zur aktiven Stabilisierung und kontrollierten Bewegung bei.


Mögliche Ursachen von ISG-Beschwerden


Die Ursachen für Schmerzen rund um das ISG sind vielfältig. Häufig entsteht die Problematik nicht durch ein einzelnes Ereignis, sondern durch das Zusammenspiel mehrerer Faktoren:


  1. Einseitige Belastungen

    Langes Sitzen, einseitige Arbeitspositionen oder wiederkehrende Bewegungen können die Belastung des Beckens verändern. Auch sportliche Aktivitäten mit vielen asymmetrischen Bewegungen können eine Rolle spielen.


  1. Über- oder Fehlbelastung

    Ungewohnte körperliche Belastungen, beispielsweise nach einer längeren Sportpause, einer anspruchsvollen Wanderung oder einem intensiven Krafttraining, können zu einer vorübergehenden Überlastungsreaktion führen.


  1. Muskuläre Faktoren

    Eine veränderte Muskelspannung im Bereich von Gesäß, Hüfte, Bauch und Rücken kann die Bewegungskoordination beeinflussen. Dabei ist nicht zwingend ein einzelner „verspannter Muskel” die Ursache. Entscheidend ist das Zusammenspiel verschiedener Strukturen.


  1. Verletzungen und Traumata

    Stürze, Ausrutschen oder andere direkte Belastungen des Beckens können Beschwerden im Bereich des ISG auslösen (typisch ist z.B. ein Tritt ins "Leere" beim Übersehen einer Stufe oder ein Stoß/Schlag auf das Gesäß).


  1. Schwangerschaft

    Während der Schwangerschaft verändern sich u.a. durch die Hormone und das Gewicht des Kindes die Körperhaltung, Belastungsverteilung, Bewegungsstrategien sowie die bindegewebigen Strukturen. Dadurch kann sich auch die Beanspruchung des Beckens verändern.


Hinweis: Schmerzen im Bereich des ISG müssen nicht zwangsläufig vom ISG selbst ausgehen. Auch die Lendenwirbelsäule, die Hüfte oder die umliegende Muskulatur können ähnliche Beschwerden verursachen.


Was sind typische Symptome und wie lange dauern diese an?


Die Beschwerden können individuell sehr unterschiedlich sein. Häufig berichten Betroffene über:

Läuferin, die sich schmerzhaft die Hände an den Rücken hält.

  • meist einseitige Schmerzen im unteren Rücken oder Gesäß

  • Ausstrahlungen in Hüfte oder Oberschenkel sind möglich

  • Schmerzen beim Aufstehen aus dem Sitzen, Umdrehen im Bett oder Vorbeugen des Oberkörpers

  • Schmerzen beim längeren Sitzen, Stehen oder Gehen

  • Schmerzen beim Treppensteigen sowie beim Einbeinstand

  • Gefühl von Steifigkeit, Blockierung oder „Feststecken“

  • Gefühl von Instabilität oder Unsicherheit bei Belastungen


Wie lange ISG-Beschwerden andauern, lässt sich nicht pauschal sagen. Akute Beschwerden können sich innerhalb weniger Tage bis Wochen deutlich bessern. Bei wiederkehrenden oder bereits seit Längerem bestehenden Beschwerden kann die Genesung entsprechend länger dauern.


Wichtig: Bei sehr starken Schmerzen, die sich zunehmend verschlimmern, sowie bei zusätzlichen Taubheitsgefühlen, Lähmungserscheinungen oder anderen ungewöhnlichen Symptomen sollte unbedingt eine ärztliche Abklärung erfolgen!


ISG-Blockade oder ISG-Instabilität – Wo liegt der Unterschied?


Die Begriffe „Blockade” und „Instabilität” werden im Alltag häufig verwendet. Aus physiothera-peutischer Sicht ist es jedoch wichtig, genauer hinzuschauen. Die Therapie sollte sich an den tatsächlichen Beschwerden und Befunden orientieren. So benötigt z.B. eine Person mit einem vorwiegend bewegungsempfindlichen und schmerzhaften Bewegungsmuster andere Maßnahmen als jemand, bei dem Belastbarkeit und Bewegungskontrolle im Vordergrund stehen.


Was versteht man unter einer ISG-Blockade?

Bei einer ISG-Blockade wird häufig eine eingeschränkte oder schmerzhafte Beweglichkeit des Gelenks beschrieben. Patienten empfinden beispielsweise einen bestimmten Bewegungsablauf als „fest“, asymmetrisch oder schmerzhaft. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass ein Knochen tatsächlich „ausgerenkt“ oder dauerhaft verschoben ist. Das ISG besitzt nur einen sehr kleinen Bewegungsumfang. Schmerzen, veränderte Muskelspannung und eine veränderte Bewegungssteuerung können u.a. dazu führen, dass sich eine Bewegung blockiert anfühlt.


Was versteht man unter einer ISG-Instabilität?

Im Vordergrund steht dabei weniger die Bewegungseinschränkung als vielmehr eine unzureichende Kontrolle oder Belastbarkeit des Beckenbereichs. Betroffene beschreiben teilweise folgende Symptome: ein Gefühl von Unsicherheit, Schmerzen bei längerer Belastung, Beschwerden beim Einbeinstand, Schwierigkeiten bei bestimmten sportlichen Bewegungen, das Gefühl, dass das Becken „nicht richtig hält“. Eine solche Problematik kann beispielsweise nach Verletzungen, bei bestimmten Belastungssituationen oder im Zusammenhang mit einer Schwangerschaft auftreten.


Welche Therapieansätze gibt es?


Eine moderne physiotherapeutische Behandlung orientiert sich immer an den individuellen Beschwerden und Zielen des Patienten. Folgende Therapieansätze sind möglich:


  1. Manuelle Therapie: Durch Mobilisationen und gezielte Techniken können Schmerzen reduziert und die Beweglichkeit des Gelenks verbessert werden.

  2. Aktive Bewegung und Übungen: Kräftigungs-, Mobilitäts- und Koordinationsübungen erhöhen die Belastbarkeit von Becken, Hüfte und Rumpf.

  3. Stabilisationstraining: Besonders bei einem Gefühl von Instabilität stehen die Kontrolle und Belastbarkeit des Beckens im Fokus.

  4. Bewegungs- und Belastungsschulung: Patienten lernen, welche Bewegungen und Belastungen sinnvoll sind und wie sie diese schrittweise steigern können.

  5. Weichteiltechniken: Je nach Befund können verspannte oder überlastete Muskelstrukturen behandelt werden.

  6. Patientenedukation: Informationen über die Beschwerden sowie ein verständlicher Umgang mit Schmerzen helfen dabei, Unsicherheit und Schonverhalten zu reduzieren.

Therapeut, der unteren Rücken/Becken von Patientin behandelt.

Entscheidend ist eine individuelle Kombination der Maßnahmen. Bei einer eher bewegungseingeschränkten Problematik können beispielsweise Mobilisation und aktive Bewegungsübungen im Vordergrund stehen, während bei einer verminderten Belastbarkeit eher Stabilisations- und Krafttraining wichtig sind.


Was kann ich selbst Zuhause tun?


  • In Bewegung bleiben: Vermeiden Sie Schonung und integrieren Sie leichte, gut verträgliche Bewegung in Ihren Alltag.

  • Belastung dosieren: Reduzieren Sie vorübergehend Bewegungen oder Aktivitäten, die die Schmerzen deutlich verstärken, und steigern Sie sie anschließend langsam wieder.

  • Übungen regelmäßig durchführen: Individuell abgestimmte Kräftigungs- und Beweglichkeitsübungen für Rumpf, Hüfte und Becken unterstützen die Belastbarkeit.

  • Beckengurt tragen: Bei Instabilitäten kann es ggf. sinnvoll sein, tagsüber vorübergehend einen Beckengurt zu tragen, um (sportliche) Aktivitäten zu ermöglichen.


Läuferin, die ihre Hüfte dehnt.
  • Positionswechsel: Langes Sitzen oder Stehen vermeiden und regelmäßig die Körperposition verändern ("Immer die nächste Position ist die Beste.")

  • Auf den eigenen Körper achten: Schmerz ist ein wichtiges Warnsignal! Das Ziel besteht darin, die persönliche Belastungsgrenze schrittweise und adäquat zu erweitern.

  • Nicht ständig „einrenken”: Bei wiederkehrenden Beschwerden ist es sinnvoller, die zugrunde liegenden Belastungs- und Bewegungsmuster zu untersuchen, anstatt nur kurzfristig für Entlastung zu sorgen.


Fazit


ISG-Beschwerden können unterschiedliche Ursachen haben und sollten individuell betrachtet werden. Eine gezielte Physiotherapie Stuttgart kann dabei helfen, Schmerzen zu reduzieren, die Beweglichkeit und Belastbarkeit zu verbessern sowie langfristig wieder mehr Sicherheit in der Bewegung zu erlangen. Entscheidend ist eine Kombination aus passenden therapeutischen Maßnahmen und aktiver Mitarbeit des Patienten.



 
 
 

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