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Gesichtslähmung effektiv behandeln: Die Rolle der Physiotherapie bei Fazialisparese - Therapiewerk Stuttgart West

Frau, die sich eine Hand vor das Gesicht hält und eine Hand abwehrend nach vorne streckt.

Eine Fazialisparese kann für Betroffene plötzlich und beunruhigend auftreten. Typische Anzeichen sind eine einseitige Gesichtslähmung, hängende Mundwinkel oder Schwierigkeiten beim Sprechen. In diesem Beitrag erfahren Sie, was genau hinter dieser Erkrankung steckt und wie eine gezielte physiotherapeutische Behandlung, z.B. im Therapiewerk Stuttgart West, helfen kann.


Was ist eine Fazialisparese?


Eine Fazialisparese beschreibt eine Funktionsstörung des Nervus facialis (VII. Hirnnerv), die zu einer partiellen oder vollständigen Lähmung der mimischen Gesichtsmuskulatur führt. Pathophysiologisch liegt eine Unterbrechung oder Beeinträchtigung der neuronalen Signal-übertragung zwischen dem zentralen Nervensystem und der peripheren Muskulatur vor.


Je nach Lokalisation der Schädigung unterscheidet man dabei zwischen:

  • Zentraler Fazialisparese: Läsion im Bereich des oberen Motoneurons

  • Peripherer Fazialisparese: Schädigung des Nervs selbst im peripheren Verlauf

Häufigkeit


Die Fazialisparese ist eine der häufigeren neurologischen Erkrankungen der Hirnnerven. Die periphere Form, v.a. die idiopathische Fazialisparese (auch Bell-Parese genannt), tritt mit einer jährlichen Inzidenz von etwa 20-30 Fällen pro 100.000 Einwohner auf. Sie kann grundsätzlich in jedem Alter und unabhängig vom Geschlecht auftreten, zeigt jedoch Häufungen:


  • zwischen dem 15. und 45. Lebensjahr

  • bei Schwangeren (insbesondere im dritten Trimester)

  • bei Menschen mit Vorerkrankungen wie z.B. Diabetes mellitus


Aufgaben des Nervus facialis


Der Nervus facialis erfüllt mehrere wichtige Funktionen:

  • Steuerung der mimischen Gesichtsmuskulatur (z.B. Lächeln, Stirnrunzeln)

  • Beteiligung am Lidschluss des Auges

  • Geschmacksempfinden im vorderen Zungenbereich

  • Steuerung von Speichel- und Tränendrüsen


Eine Schädigung dieses Nervs kann daher nicht nur das äußere Erscheinungsbild beeinträchtigen, sondern auch grundlegende Funktionen wie Essen, Sprechen und Blinzeln.


Ursachen und Risikofaktoren


Die Ursachen einer Fazialisparese sind vielfältig:

  • Virusinfektionen (z.B. Herpes-Simplex-Viren, Varizella-Zoster-Viren)

  • Entzündliche Prozesse (z.B. Mittelohrentzündung, Borreliose)

  • Traumata (z.B. Felsenbeinfraktur)

  • Tumore (z.B. Akustikusneurinom oder Parotistumor)

  • zentral: Schlaganfall, Blutungen, MS, Hirnturmore, ...


Zu den Risikofaktoren zählen unter anderem Stress, Diabetes, Schwangerschaft, Bluthochdruck oder ein geschwächtes Immunsystem, z.B. durch einen grippalen Infekt.


Typisches Beschwerdebild


Die Symptome treten meist plötzlich auf und können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Für Betroffene ist dies nicht nur körperlich, sondern auch emotional belastend:

Grafik Junge mit Gesichtsfeldlähmung.
  • meist einseitige Gesichtslähmung

  • hängender Mundwinkel

  • unvollständiger Lidschluss

  • verminderte Tränensekretion

  • Geschmacksstörungen

  • Schwierigkeiten beim Sprechen und Essen

  • Überempfindlichkeit gegenüber Geräuschen


Unterschied: Zentrale vs. periphere Fazialisparese

Merkmal

Periphere Fazialisparese

Zentrale Fazialisparese

Lokalisation der Schädigung

Nervus facialis (peripher)

Zentrales Nervensystem

Betroffene Gesichtshälfte

Komplette ipsilaterale (gleichseitige) Gesichtshälfte

Kontralaterale (gegen-seitige) untere Gesichtshälfte

Stirnrunzeln möglich?

Nein

Ja

Lidschluss möglich?

eingeschränkt oder nicht möglich

meist erhalten

Mundwinkel

herabhängend

herabhängend

Tränen-/Speichelsekretion

häufig verminderte Sekretion

normal

Geschmackssinn

häufig gestört

normal

Typische Ursachen

Bell’sche Parese, Infektionen, Trauma

Schlaganfall, Tumor, neurologische Erkrankungen

Prognose

häufig gute Rückbildung

abhängig von der Grunderkrankung


Therapieansatz bei (peripherer) Fazialisparese


Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad der Erkrankung. Ein interdisziplinärer Ansatz ist dabei besonders wichtig. Häufig umfasst dieser folgende Maßnahmen:


  • Medikamentöse Therapie (z.B. mit Kortison, Virusstatika)

  • Schutz des Auges (z.B. mit Augentropfen, Salben, Uhrglasverband)

  • Physiotherapie und Logopädie (bei Sprach-/Schluckproblemen)


Ein frühzeitiger Beginn (innerhalb von 72 Stunden) verbessert die Prognose deutlich!


Welche Übungen werden in der Physiotherapie gemacht?


Im Therapiewerk Stuttgart West beispielsweise steht die gezielte Wiederherstellung der Muskel- und Nervenfunktion im Vordergrund. Ziel ist es, die Symmetrie des Gesichts wieder zu erlangen und Fehlbewegungen zu vermeiden.Typische Maßnahmen sind:


Frau, die eine Gesichtstherapie bekommt.

  • Mimische Muskelübungen: gezieltes Training einzelner Gesichtsmuskeln (z.B. durch Aufgaben wie Augenbrauen hochziehen, Nase rümpfen, Zähne fletschen, etc.)

  • Neuromuskuläre Reeducation: Wiederanbahnung von korrekten Bewegungsabläufen

  • Manuelle Techniken: Förderung der Durchblutung und Gewebespannung

  • Wärme/Kältetherapie: z.B. Wärmekissen, Eislollys (richtige Dosierung!)

  • Spiegeltraining: Verbesserung der Wahrnehmung und Kontrolle (visuelles Feedback)

  • Alltagstraining: Integration der Übungen in tägliche Aktivitäten


Alltagstipps für Patienten

Frau, die eine Grimasse macht.
  • regelmäßig Gesichtsübungen durchführen -> lieber häufig kurz als selten lange, 3-5x/Tag ("Grimassieren")

  • bei unvollständigem Lidschluss Auge schützen:

    z.B. Tropfen/Salben, Verband, Sonnenbrille tragen

  • Essen und Trinken bewusst gestalten: z.B. kleine Bissen nehmen, wenn möglich auf beiden Seiten kauen, weiche Nahrung bevorzugen, nach dem Essen Mundraum kontrollieren

  • Sprechen üben und bewusst artikulieren: z.B. langsam und deutlich, gezielte Lippenbewegungen, evtl. laut vorlesen oder Sprachübungen machen -> Logopädie

  • sanfte Selbstmassage: hierzu Anleitung durch einen Physiotherapeuten einholen

  • Stress reduzieren: z.B. ausreichend Schlaf, Entspannungstechniken, Pausenzeiten

  • Geduld haben und dranbleiben!


Prognose


Die Prognose der Fazialisparese ist in vielen Fällen gut, v.a. bei der peripheren (idiopathischen) Form. Etwa 70-85 % der Betroffenen zeigen innerhalb von Wochen bis wenigen Monaten eine deutliche oder vollständige Rückbildung der Symptome. Der Heilungsverlauf hängt von verschiedenen Faktoren ab:

 

  • Ursache und Schweregrad der Nervenschädigung

  • Zeitpunkt des Therapiebeginns (je früher, desto besser)

  • Alter und allgemeiner Gesundheitszustand


In manchen Fällen kann es jedoch zu bleibenden Einschränkungen kommen, wie beispielsweise Restlähmungen, Synkinesien (ungewollte Mitbewegungen) oder Muskelverkürzungen. Eine frühzeitige und gezielte - physiotherapeutische - Behandlung kann entscheidend dazu beitragen, die Regeneration zu fördern und Folgeschäden zu minimieren.


Fazit


Die Fazialisparese ist eine ernstzunehmende, jedoch häufig gut behandelbare Erkrankung. Entscheidend sind eine schnelle Diagnose, eine differenzierte Ursachenklärung und ein individuell abgestimmter Therapieplan. Durch gezielte physiotherapeutische Maßnahmen, wie sie im Therapiewerk Stuttgart West angeboten werden, können Betroffene ihre Lebensqualität deutlich verbessern und die Funktion der Gesichtsmuskulatur nachhaltig stärken.


 
 
 

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